Wirtschaftswetter

Summer in the City
Interview mit Renate Sperber, Beraterin für Stil und Image
Die Fragen stellte Angelika Petrich-Hornetz
Viele Menschen können erst nach der Sommersaison in den Urlaub starten. Während die lieben Kollegen Postkarten mit Strandansichten senden, geraten die Zurückgebliebenen bei steigenden Temperaturen immer mehr ins Schwitzen: Ob Bewerber oder Mitarbeiter mit Kunden- und Geschäftspartnerkontakt, auch bei dreißig Grad im Schatten muss die Form gewahrt werden, bestätigt Stil- und Image-Beraterin Renate Sperber, die einige Tipps für einen heißen Business-Sommer parat hat.
Wirtschaftswetter: Nicht wenige Berufstätige können erst nach der Sommersaison in den Urlaub starten. In welchem Outfit überleben Sommerarbeiter bis dahin ihren Arbeitsalltag im Büro, bei 30 Grad im Schatten Außentemperatur?
Renate Sperber: Meist ist es nicht so schlimm. In vielen Büros gibt es eine Klimaanlage, und die wirklichen heißen Tage sind bei uns ja leider gezählt. Doch hier meine Tipps für alle, die schwitzen müssen:
Zuerst kommt es natürlich auf die Position im Unternehmen und auf das Aufgabengebiet an. Mit Kunden- oder Geschäftspartnerkontakt müssen die Mitarbeiter formell gekleidet sein. Manchmal gibt es Lockerungen, wenn man nur im Büro sitzt.
Für Damen empfehle ich die modischen und sehr angenehmen weiten Hosenschnitte. Da kommt man nicht so leicht ins Schwitzen. Das Material sollte natürlich nicht so schwer und nicht so steif sein. Ideale Materialien sind auch Leinen oder Leinenmischungen. Der Oberarm sollte mindestens halb bedeckt sein, um seriös zu wirken. Spaghettiträger gehen gar nicht. Notfalls, wenn es die Position erlaubt, sind breite Träger – mindestens fünf Zentimeter - möglich. BH-Träger dürfen nicht sichtbar sein. Die Schuhe sollten vorne geschlossen, können hinten durchaus offen sein. Die hochoffizielle und offizielle Businesskleidung verlangt Strümpfe. Es gibt welche, die sehr dünn und ganz angenehm sind.
Für Herren: Unbedingt Hemden aus dünnem Baumwollstoff. Wenn diese farbig sind, (helle Farben sind genauso businesstauglich wie weiße Hemden), sind sie nicht so durchscheinend. Man kann das Unterhemd gerne weglassen. Wenn eine Krawatte getragen werden muss, hilft auf jeden Fall eine Seidenkrawatte mit einem einfachen Knoten. Das bringt schon viel im Vergleich zum doppelten Windsor und einer Polyesterkrawatte. Kurzarmhemden sind keine Businesshemden (!). Mit Krawatte getragen sehen sie sowieso nicht gut aus. Allerdings ist es für viele Männer die einzige Alternative. Generell sollten sie im Kundenkontakt ein einheitliches Bild abgeben. Es sieht besser aus, wenn alle Mitarbeiter kurzärmlig sind, als wenn nur einer oder zwei mit kurzem Hemd unter langärmligen Kollegen stehen.
Wirtschaftswetter: Neben durchgeschwitzten Hemden und Blusen droht bei hohen Temperaturen auch der Make-Up-Supergau. Haben Sie ein paar Tipps dagegen?
Renate Sperber: Es gibt Lidschatten, die auf Applikatoren gesteckt werden. Es sieht wie ein Stift mit zwei verschiedenfarbigen Enden aus. Diese Lidschatten halten deutlich länger auf der Haut. Genauso wirkt eine Lidschattengrundierung. Diese verhindert, dass sich der Lidschatten in der Lidfalte festsetzt und macht den Lidschatten auch wasserfest. Ein flüssiger Eyeliner und wasserfeste Wimperntusche betonen sehr haltbar. Wer sich mit dem flüssigen Eyeliner schwer tut, kann die Linie auch mit einem nassen Pinsel und Lidschatten ziehen. Das funktioniert wunderbar und gelingt viel leichter. Gegen Glanz auf der Haut helfen kleine Löschblätter, die mit Puder behaftet sind. Diese gibt es in kleinen Schachteln, die wie Streichholzbriefchen aussehen. Oft reicht im Sommer auch eine getönte Tagescreme oder Selbstbräunungscreme. Es gibt Erfrischungssprays mit (Orangen-)Duft, die man zum Abkühlen ins Gesicht und auf die Beine sprühen kann.
Wirtschaftswetter: Lieber in leichten geschlossenen Schuhen oder in Sandalen ins Büro?
Renate Sperber: Herren müssen immer geschlossene Schuhe im Büro tragen. Es gibt jetzt jedoch schon Schuhwerk, das über die Sohle entlüftet. Eine gute Wahl sind auch Ledersohlen. Diese nehmen von Natur aus Feuchtigkeit gut auf. Damen können auch Slingpumps tragen, die hinten offen sind. An Fußpflege denken! Nichts macht einen gepflegten Eindruck mehr zunichte als dicke Hornhaut auf den Fersen.
Wirtschaftswetter: Gibt es weitere Helferlein gegen das Schwitzen zwischendurch, die Sie für sinnvoll halten, zum Beispiel Ersatz-Shirts, Deotücher, eiskalte Fußbäder unterm Schreibtisch oder Tischventilatoren?
Renate Sperber: Griffbereite, feuchte Reinigungstücher und Deos sind sehr nüztlich. Gerade nach langen Autofahrten erweisen sich diese oft als recht praktisch. Und wenn Sie immer mal wieder kaltes Wasser über die Unterarme laufen lassen, kühlt das enorm ab. Gegen einen Ventilator spricht natürlich auch nichts.
Wirtschaftswetter: Allgemein ist die Rocklänge kaum noch ein Thema, alles ist erlaubt. Doch wie sieht es im Arbeitsleben aus? Gibt es die optimale Geschäfts-Rocklänge?
Renate Sperber: Im Arbeitsleben ist die ideale Rocklänge knieumspielend. Eine Handbreit über'm Knie ist die unterste Grenze. Beim Hinsetzen ist der Rock dann schon sehr (zu) kurz.
Wirtschaftswetter: Und was macht der Herr im Anzug bei Temperaturen um die 30 Grad: langsam schmelzen?
Renate Sperber: Dünne Hemden und leichte Anzüge. Einfachen Krawattenknoten und Seidenkrawatte. Jackett ausziehen, wenn kein Kunde oder Geschäftspartner dabei ist. Es gibt Hemdenkragen, bei denen der Knopf erst weiter unten angesetzt ist und die Verstärkung bis zu diesem Knopf verarbeitet ist. Sie heißen Vario- oder Collo-Kragen. Bei diesen Kragen kann man die Krawatte lockern, ohne dass das Hemd offen aussieht. Der Kragen geht sozusagen mit.
Wirtschaftswetter: Hand aufs Herz: Der Arbeiter, Angestellte und Manager im Sommer 2008 - lieber mit oder ohne Bart?
Renate Sperber: Ohne Bart.
Wirtschaftswetter: Noch schwieriger als der Arbeitsalltag: Bewerben, wenn andere in der Sonne braten. Was kann die Bewerberin, der Bewerber tun, wenn der Schweiß nicht nur vor Nervosität zu rinnen droht?
Renate Sperber: Ruhig bleiben :-) Alle schwitzen und haben dafür Verständnis. Man kann die Hitze auch als Smalltalk-Thema verwenden. Dann hat man eine gute Entschuldigung und wird gleich viel entspannter. Bevor man jemandem die Hand gibt - der Personalchef streckt als Gastgeber als erster die Hand aus-, mal kurz den Anzug glatt streichen. Dadurch werden feuchte Hände etwas trockener.
Wirtschaftswetter: Immer noch sieht man viele deutsche Touristen in Tops und Trägerhemden, weißen Socken, Sandalen und kurzen Hosen durch die Städte der Welt flanieren, shoppen und Museen besichtigen. Was würden Sie ihnen eventuell gern einmal sagen?
Renate Sperber: ... denn Sie wissen nicht, was Sie tun. Oft ist es nur Unwissenheit, weil es ja alle so machen - zum Beispiel Socken in Sandalen - manchmal jedoch geringe Wertschätzung beziehungsweise Respekt, was leider viel schlimmer ist: Möchten wir im Ausland wirklich so wirken?